Was macht facebook besser als studivz?
Nach langem Zögern habe ich mich Anfang Dezember tatsächlich mal bei facebook angemeldet und bin darüber ein gutes Stück web2.0-abhängiger geworden als dies vorher der Fall war. Warum?
Nutzerzahlen
Im direkten Vergleich der deutschen Nutzerschaft steht facebook auch einige Zeit nach dem Deutschlandstart nicht besonders gut da: Im “Germany”-Network sind derzeit 629.000 Nutzer gemeldet, studivz kam bereits vor einem Jahr auf das Zehnfache an Nutzern (Quelle: Internet =). Das “Germany”-Netzwerk wächst jedoch relativ schnell (geschätzte 2.000 Registrierungen pro Tag), so dass zumindest Bewegung zu erkennen ist. Die Nutzerzahlen sind jedoch offenbar nicht der entscheidende Faktor für die subjektiv deutlich höhere Aktivität. Als Anreiz für die vornehmlich männliche Leserschaft dieses Blogs könnte vielleicht jedoch die Geschlechterverteilung eine Rolle spielen (Danke, Bengt :-) .
Aktivität
Trotz des in meinem Fall deutlich kleineren Netzwerks (studivz: 37, facebook: 10) erscheint facebook deutlich aktiver. Erreicht wird dies einerseits durch einzelne, sehr aktive User, andererseits aber auch durch die Tatsache, dass nahezu jede Aktion im Netzwerk einen Eintrag im Journal hinterlässt, der wiederum von allen möglichen Leuten kommentiert werden kann. Während man bei studivz so mehr oder weniger regelmäßig in die Freundesliste schaut, ob sich etwas verändert hat, ggf. auf das aktualisierte Profil klickt und die mehr oder weniger sinnvollen Änderungen zur Kenntnis nimmt oder sogar mit einem Gästebucheintrag honoriert, wird der fleißige facebook-User mit derartigen Aktualisierungen direkt auf der Startseite im News Feed versorgt, der zusätzlich noch die Möglichkeit bietet, Einträge unterschiedlich zu priorisieren, je nach Interesse. Wie bereits erwähnt können alle Einträge hier kommentiert werden, wodurch im Journal des kommentierenden Users ebenfalls ein Hinweis auf den geschriebenen Kommentar erscheint. So ergeben sich oftmals aus weitestgehend belanglosen Meldungen, die man auf studivz eben bestenfalls zur Kenntnis nehmen würde, mittlere Diskussionsfäden mit mehreren, über einige Ecken verknüpften Benutzern.
Applikationen
Erweitert werden die im Vergleich ohnehin umfangreichen Möglichkeiten auf facebook durch die so genannten Applications. Diese mehr oder weniger aufwändig und professionell gestalteten Progrämmchen bieten in der Regel erweiterte Möglichkeiten zu Kommunikation oder Informationsaustausch mit Freunden und solchen, die Freunde werden sollen. Das Repertoire reicht von “Papp mir ein blödes Bildchen in mein Profil” bis “Integriere einen Sim City Abklatsch in dein Profil und baue die nächste Supermetropole”. Auch Twitter, last.fm, flickr und weitere namhafte Vertreter der web2.0-Bewegung lassen sich mit Hilfe dieser Applikationen im eigenen Profil integrieren.
Registrierung
Bei der Registrierung fragt das neugierige facebook direkt nach, welche Schule man denn in welchem Zeitraum besucht hat, welche Hochschule man besucht (hat) und wo man möglicherweise arbeitet. Aufgrund dieser Informationen wird dem Neuling direkt eine ganze Latte potenzieller Bekannter vorgeschlagen, unter denen sich wie üblich einige Überraschungen und teilweise schon in Vergessenheit geratene Schulfreunde tummeln.
Bedienung
Nach einer anfänglichen Eingewöhnungsphase lässt sich facebook trotz der teilweise hohen Komplexität weitestgehend intuitiv bedienen. Geschwindigkeitsprobleme waren in meinem ersten Nutzungsmonat nicht zu erkennen, Ausfälle gab es bis auf eine Wartungszeit in den frühen Morgenstunden gar keine. Facebook wurde vollständig in viele Sprachen übersetzt, darunter auch Deutsch. Hier besteht also kein Nachteil gegenüber studivz.
Fazit
In letzter Zeit konnte ich hier und dort Beschwerden über studivz hören, die in den meisten Fällen auf “Im Netzwerk passiert nichts”, “zu wenig Interaktionsmöglichkeiten” und “die Funktionalität der Seite wird zu langsam ergänzt” herunterzubrechen waren. Während ich vor meiner Facebook-Anmeldung meistens zustimmen konnte, mangels bekannter Alternativen jedoch nie Taten folgen ließ, weiß ich jetzt, dass und wie man es besser machen kann und möchte hiermit allen, die einen ähnlichen Eindruck von studivz gewonnen haben, nahelegen vor der kompletten Abkehr vom web2.0 doch kurz bei facebook reinzuschauen. Falls der Anfang etwas schwer fallen sollte, dürft ihr als erstes versuchen, mich als Freund hinzuzufügen. :-)





